Ja zum Leben
Embryologische Aspekte: Der Stand der Forschung zum Status des menschlichen Embryos
  
   
Resümée Günter Rager, Dr. med., Professor am Departement für Medizin, Abteilung Anatomie der Universität Freiburg, Schweiz

Hatte Ernst Haeckel noch behauptet, der Embryo müsse zuerst die Entwicklung der Arten (Phylogenese) in seiner eigenen Entwicklung (Ontogenese) rekapitulieren, ehe er in der späten Schwangerschaft zu sich selbst, zu seinem menschlichen Dasein kommt, und diese Behauptung auch noch in dem sogenannten "biogenetischen Grundgesetz" festzulegen versucht, so ist dieser Standpunkt heute durch die Wissenschaft überholt. Die Genetik zeigt eindeutig, dass das Genom jedes Einzelnen ein menschliches Genom ist. (...)

Der Embryo entwickelt sich von Anfang an human- und individualspezifisch. Es ist ja dieses einzigartige Genom, das auf die Entwicklungsreize reagiert und die Entwicklung steuert, auch wenn epigenetische Faktoren heute wieder einen wesentlich höheren Stellenwert erhalten haben. Schon sehr früh lassen sich auch morphologisch humanspezifische Entwicklungsformen feststellen, durch welche sich die menschliche Entwicklung von derjenigen anderer Spezies unterscheidet. Die Gesichter menschlicher Embryonen am Ende der Embryonalzeit sind dafür ein besonders eindrückliches Beispiel. Diese Gesichter sind nicht nur menschlich, sie zeigen auch individualspezifische Züge. (...)

Der Embryo verfügt also von der Befruchtung an über ein human- und individualspezifisches Genom. Er entwickelt sich human- und individualspezifisch. Seine Entwicklung lässt keine Sprünge erkennen, sondern erfolgt kontinuierlich. Der Embryo trägt in sich die aktive Potenzialität, ein erwachsener Mensch zu werden. Schliesslich ist der Embryo von der Zygote an ein einheitliches, sich selbst organisierendes System, weshalb ihm Individualität zukommt. Er bleibt über die ganze Entwicklung hinweg mit sich selbst identisch (diachrone Identität). Er entwickelt sich nicht erst zum Menschen, sondern er entfaltet während seiner Entwicklung die in ihm schon vorhandenen menschlichen Möglichkeiten. (...)

Auszug aus: Günter Rager: Der Stand der Forschung zum Status des menschlichen Embryos. In: Embryonenforschung. Embryonenverbrauch und Stammzellenforschung. Ethische und rechtliche Aspekte. Adrian Holderegger/René Pahud de Montanges (Hrsg.). Universitätsverlag Freiburg, Schweiz. 2003, S. 11-23.


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15.1.2004

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