Ja zum Leben
Lassen wir die Gewinnung embryonaler Stammzellen nicht zu
  
   
Dr. med. Martin Jost, prakt. Arzt, Buchautor, ehem. Mitglied der Ethik-Subkommission Intensivmedizin der Schweiz. Akademie der medizinischen Wissenschaften

Stammzellen sind mit ihrer riesigen Entwicklungspotenz ein faszinierendes Forschungsobjekt mit einem für die Medizin enormen Potential für zukünftige Therapien. Voraussetzung ist allerdings, dass diese Stammzellen auf einem Weg gewonnen werden können, der den ethischen Prinzipien eines verantwortungsbewussten Arztes in jeder Hinsicht Rechnung trägt. Dies ist bei adulten Stammzellen, wie auch immer sie gefunden und gewonnen werden, der Fall. Dies gilt nicht für die embryonalen Stammzellen.

Durch die Befruchtung entsteht bekanntlich ein menschlicher Embryo. Dieser ist vom ersten Moment an spezifisch menschlich und enthält den kompletten genetischen Bauplan. Ohne Störung von aussen entwickelt sich dieser Embryo zum Menschen. Die Tatsache, dass bis zu 40% der Embryonen in der zweiten Schwangerschaftswoche die Einnistung in die Gebärmutter nicht gelingt, ändert an dieser grundsätzlichen Aussage überhaupt nichts. Alles weitere ist Entwicklung und Entfaltung. Diese Entwicklung ist in den erste Wochen besonders intensiv, setzt sich aber pausenlos fort und ist auch bei der Geburt keineswegs abgeschlossen. In einzelnen Bereichen entwickeln wir uns solange wir leben.

Aus der Sicht der Embryologie sind wir vom Moment der Zeugung an ein sich entwickelnder Mensch. Ein solcher Mensch ist in jeder Phase ein Mensch mit dem Anspruch auf vorbehaltlosen Schutz, völlig unabhängig vom momentanen Entwicklungsstand. Eine Lawine ist von der ersten sich bewegenden Schneeflocke an eine Lawine, auch wenn sie ihre endgültige Grösse und Ausprägung erst auf ihrem Weg entwickelt. Medizinisch gesehen ist der Mensch von Anfang an ein Mensch, es gibt kein überzeugendes Kriterium, auf grund dessen er irgendwann in der Entwicklung zum Menschen würde. Wer hier eine andere Meinung vertritt, kann sich nicht auf embryologischen Fakten berufen. Er tut es entweder aus persönlichen, weltanschaulichen Gründen oder aus Utilitarismus. Es gibt Wissenschafter, die ihre Forschung über alles stellen und quasi zum goldenen Kalb erklären. Sie sind nicht gewillt, die enormen Möglichkeiten wie zum Beispiel der embryonalen Stammzellen nur aus ethischen Gründen ungenutzt zu lassen. Ob sie sich dabei vor allem vom Ehrgeiz, vom unbedingten Willen nach Ruhm und Anerkennung oder von der Hoffnung auf materiellen Gewinn leiten lassen, muss offen bleiben.

Der Zweck darf die Mittel nicht heiligen. Gestern nicht, und in Zukunft erst recht nicht. Die Gewinnung embryonaler Stammzellen zerstört einen Menschen in einer sehr frühen Entwicklungsphase. Wenden wir unsere ganze Kraft auf, die adulten Stammzellen zu erforschen, zu gewinnen und deren grosses Potenzial, das ethischen unbedenklich ist, voll zu nutzen. Der Embryo aber muss auch künftig unseren vorbehaltlosen Schutz geniessen. Vergessen wir eines nicht: Sie und ich, wir waren auch einmal ein solcher Embryo. Wie Sie es haben, weiss ich nicht. Ich für meinen Teil, finde dieses Leben faszinierend. Ich lebe sehr gerne und bin froh, dass aus mir keine Stammzellen gewonnen wurden.


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15.1.2004

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